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BienchenWie schmeckt eigentlich Stadthonig? Dieser Frage gehen Bienenforscher derzeit nach und das aus guten Grund. Nicht auf einer lieblichen Wildblumenwiese, sondern da, wo der Berufsverkehr die Luft verpestet, schwärmen die fleißigen Arbeiterinnen aus. Der Stadtextrakt ist sehr beliebt und liegt voll im Trend. Schon heute gibt es Feinschmecker die wie versessen auf Betonhonig sind.
 
So züchtet ein Imker Bienen auf dem Dach des Technischen Rathauses in Bochum. Auch in Frankfurter Bankenviertel stehen Bienenstöcke. Und in Berlin produzieren mehr als 500 Nebenerwerbs- und Hobby- Imker ihren Stadthonig.
 
Die Stadtbienen entpuppen sich als besonders fleißig. Fast 700 Kilogramm Honig haben 45 Völker im vergangenen Jahr produziert, ein Vielfaches der Ausbeute, die Landimker erzielen. Zudem scheinen die Stadtbienen besonders robust zu sein. Seit 12 Jahren beobachten Forscher die Stadtbienen und bisher sei keines der Völker den gefürchteten Krankheiten wie etwa dem Varroa- Milben- Befall oder dem Collapse Disorder zum Opfer gefallen.
Sind also Stadtbienen Widerstandsfähiger als die auf dem Land? Angesichts rätselhafter Massensterbens von Honigbienen in den vergangenen Jahren wäre das ein bemerkenswerter Befund. Forscher wollen sich nun der Frage widmen , warum Stadtbienen sich so ungewöhnlich guter Gesundheit erfreuen. Die Pollen schaut man sich unter dem Mikroskop. Der Pollen verrät den Wissenschaftler welche Pflanzen die Stadtbiene angeflogen hat. Vergleichsproben gewinnen die Forscher aus dem Honig von Bienenvölkern die am Rande eines Rapsfeldes ihren Stock haben, sowie von solchen aus Vororten einer Stadt. Der Unterschied ist auf den ersten Blick erkennbar. Der Stadtbienenhonig ist komplex, ihn zu analysieren erfordert mehrere Tage. Tausende verschiedener Pollen findet man darin. Etliche können gar nicht bestimmt werden, weil sie in keinen Atlas mitteleuropäischer Blütenpflanzen zu finden sind.
 
In dieser Vielfalt, darin sind sich die Wissenschaftler sicher liege die Ursache dafür, dass die Stadtbienen viel mehr Honig produzieren als jene aus der Provinz. Auf dem Land finden die Insekten nur noch Monokulturen, Raps oder riesige Obstplantagen. Die blühen nur wenige Wochen im Jahr. In den Großstädten hingegen sorgen Grünanlagen und die Scharen von Hobbygärtner dafür, dass sich das Auge fast immer an irgendwelchen Blüten erfreuen kann. Und davon profitieren auch die Bienen. In einer Stadt ist der Tisch für die fleißigen Insekten das ganze Jahr über reich gedeckt.
 
In der Blütenvielfalt ist der Grund für die Widerstandsfähigkeit der Bienen zu suchen. Sie gewinnen aus den Blüten nicht nur den Nektar, dessen Zucker ihnen als Energielieferant dient. Zudem nehmen sie mit den Pollen auch Aminosäuren und Eiweiße auf, die für das Immunsystem  der Insekten von Bedeutung zu sein scheinen.
 
Zu beobachten ist auch, das Bienen in der Stadt häufiger zu ihren Stock zurückkehren als auf dem Land. Den Grund dafür vermuten die Wissenschaftler im geringen Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. Durch Pestizide werden die Bienen geschwächt oder verlieren den Orientierungssinn. Es finden sich kaum Spuren von Pflanzenschutzmitteln im Honig von Stadt- wie Landbienen, sie meiden die mit Pestiziden behandelten Blüten. Außerdem reinigen die Bienen den gesammelten Nektar, indem sie die fettlöslichen, lipophilen Pestizide in dem Bienenwachs der Waben einlagern. Auch Schwermetalle finden sich im Honig nur selten. Dies liegt vermutlich daran, dass die Pflanzen meist nur wenige Stunden oder Tage blühen und danach nur kurz den Abgasen des Verkehrs ausgesetzt sind.

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