Subscribe:Posts Comments

You Are Here: Home » Allgemein, Die tun was » Windräder im Wald

Der Wald ist auch heute noch vielen Deutschen heilig. Zugleich werden die Freiflächen für Windkraftanlagen immer knapper. Und um die ehrgeizigen Klimaziele der EU zu erreichen und den Ausbau erneuerbarer Energie voranzutreiben, müssen die Bundesländer eben in die Wälder ausweichen. Brandenburg und Hessen etwa, die bis zu zwei Prozent der Forstfläche für Windparks einplanen. In Rheinland- Pfalz, Baden- Württemberg und Bayern weht der Wind vor allem an den Höhenzügen und die sind meist bewaldet. Nordrhein- Westfalen will jetzt nachziehen und den Bau von Windrädern im Wald erlauben, um den Anteil erneuerbarer Energie im Mix erheblich zu steigern. An Investoren fehlt es nicht, an Kritikern auch nicht. Das Landschaftsbild würde verschandelt, für jedes Windkraftwerk Wald in der Größe eines Fußballfeldes abgeholzt und bedroht Vögel und Fledermäuse.

Auf den ersten Blick scheint da auch was dran zu sein. Es müssen Schneisen für Anfahrtswege, Rangierflächen und Reparaturzonen in den Wald geschlagen werden, bis zu 10.000 Quadratmeter große sind sie pro Anlage. Der Wald wird also in der Tat zerlöchert, zerklüftet, zerschnitten. Die Vorstellung allerdings, das damit unberührter, womöglich über Jahrhunderte gewachsener Wald in wenigen Wochen verschwindet, wie etwa durch die Brandrodungen im Regenwald ist falsch. Urwald gibt es in Deutschland so gut wie gar nicht mehr, der Großteil der Wälder in Deutschland ist Forst, in dem Holz zu wirtschaftlichen Zwecken geschlagen wird. Weshalb besonders auf Gebiete mit seltenen Vogelarten wie Auerhahn oder Schwarzstorch zu achten ist und diese meiden und auf industriell genutzte Fichtenforste zurückgreifen.

Doch ob Forste oder alte Wälder. Mit jedem Windrad, heißt es von Seiten der Kritiker, schrumpft der Bestand. Was wieder nicht ganz stimmt, weil an anderer Stelle Flächen als Ausgleich aufgewertet werden müssen. Anlageplaner versuchen deshalb, die abholzende Flächen so klein wie möglich zu halten, also Anfahrtswege zu nutzen, die bereits existieren, auf der Rangierfläche Wiesen oder Sträucher anzulegen und sobald den Turm steht, einen Teil der Baumfläche wieder aufzuforsten.

Naturschützer fürchten vor allem um das Leben Tausender Vögel, die von den Rotoren erschlagen oder halbiert werden. Gar nicht einfach ist es für einen Vogel durch ein sich drehendes Windrand überhaupt durchzufliegen, da sie Rotorspitzen Geschwindigkeiten bis zu 200 km/h erreichen und dort die Verwirbelung auch besonders stark ist.
Hat ein Vogel dies Hürde genommen folgt noch eine zweite: Wie bei einem Fön herrscht hinter den Windrädern eine Nachlaufströmung (Wirbelschleppe), die mehrere hundert Meter weit reichen kann. Vögel beginnen sofort zu trudeln und aus dem Luftstrom zu fallen. Meist können sie sich wieder fangen.

Greifvögel sind besonders gefährdet, weil sie  anders als Gänse oder Singvögel keine natürlichen Feinde haben und ihnen die Furcht vor den fremden Gebilden fehlt. Außerdem sind sie leichter abgelenkt, wenn sie in der Luft kreisen und den Boden nach Beute absuchen. Seit zehn Jahren trägt die Vogelschutzwarte Brandenburg die Meldungen toter Vögel an Windkraftanlagen zusammen. Demnach erwischt es im Vergleich zur Bestandsgröße besonders oft den Rotmilan (168Fälle), gefolgt vom Mäusebussard und dem Seeadler. Belastbare Fundzahlen für den deutschen Wald insgesamt fehlen.

Der Bau von Windrädern im Wald ist vertretbar, nur vor dem Bau am Waldrand ist abzuraten, weil dort im Schutz der Bäume und Sträuchern  also nah an der Futterquelle auf Äckern und Feldern, besonders viele Vögel nisten. Inmitten der Wälder sollten die Windräder sehr hoch  errichtet werden, damit eine möglichst große Freizone zwischen den Wipfeln und dem untersten punkt eines Rotorblatts entsteht. Welche Bedeutung diese Zone für das Leben von Vögeln oder Fledermäusen hat, die sich in unterschiedlicher Höhen herumtreiben, haben Biologen allerdings kaum erforscht.

Und Fledermäuse: Eine Untersuchung ergab! Das Fledermäuse vor allem im ersten Viertel der Nacht aktiv sind, auf Jahr bezogen vor allem im Juli und August. Weshalb die Anlagen zu den Stoßzeiten der Fledermäusen abzuschalten sind, zumal die Fledermäuse meist ausfliegen, wenn nur ein schwaches Lüftchen weht.

Fazit: Es gilt also, große Rücksicht zu nehmen, wenn in den nächsten Jahren zunehmend Windkraftanlagen im Wald aufgestellt werden. Verstecken lassen sich die Windräder aber selbst mit strengeren Auflagen nicht.

Schlagwörter:

Leave a Reply

You must be Logged in to post comment.


© 2012 kill-co2.de · Subscribe:PostsComments · Powered by WordPress