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soja brasilien20Finanzfirmen haben Ackerland im Süden der Welt als Geldanlage entdeckt. In der Chaco- Savanne in Argentinien verdrängen riesige Monokulturen die indigenen Kleinbauern.

Die Landnahmen des 21. Jahrhunderts haben viele Gesichter. Zum Beispiel siebzig Kilometer frisch asphaltierter Straße in der nordargentinischen Provinz Formosa. Rechts liegt die Buschvegetation des Chaco, links das kranke Sumpfgebiet La Estrella: Tausende tote Bäume ragen aus dem Wasser, Aasgeier haben es sich darauf bequem gemacht. Die schnurgerade Provinzstraße 28 führt von der Kleinstadt Las Lomitas nach Nordosten. Zugleich fungiert sie als Damm, der die Lebensgrundlage Hunderter Kleinbauern- und Fischerfamilien zu zerstören droht.

Denn nach dem Willen der Regionalpolitiker soll die Dammstraße dem Ausbau der Landwirtschaft dienen, finanziert hat sie die Interamerikanische Entwicklungsbank. Das Wasser aus dem neu gebildeten See soll auf Ländereien im Grenzgebiet zu Paraguay geleitet werden. Die Landpreise hier boomen, Sojaunternehmer und Investoren haben sich in Formosa eingekauft. Bald wird die artenreiche Savanne des Chaco abgeholzt.

Neben dem Amazonasgebiet ist der Chaco eins der wichtigsten Ökosysteme Südamerikas. Die Savanne ist viermal so groß wie Deutschland und reicht bis nach Paraguay, Bolivien und Brasilien. Doch ebenso wie der Amazonas wird der Chaco durch Waldzerstörung und Sojamonokulturen dezimiert. Opfer sind Indigene nirgends in Argentinien herrscht solch bittere Armut wie im Chaco.

Mariano López, einer der Jüngeren, beschreibt die Landnahme so: „Hier gibt es Herren, die unser Land bekommen. Heute kommen sie nicht mehr mit Waffen, sondern mit richtig viel Geld. Sie vertreiben uns, zerstören den Wald, pferchen uns zusammen, treiben uns in die Stadt. Das Gesetz ist auf unserer Seite, aber das ist denen egal. 2009 haben die Wichí wochenlang erfolglos für mehr Land, Arbeit, Schulen und Gesundheitsposten demonstriert. Zwei von ihnen starben dabei an Kälte und Unterernährung.

Korruption ist in der argentinischen Provinz besonders ausgeprägt. Zwar hat das Parlament in Buenos Aires 2011 Schranken für den Landkauf durch ausländische Investoren beschlossen. Doch bis zur Umsetzung ist es ein weiter Weg. Oft wird Staatsland, auf das Kleinpächter nach 20 Jahren ein Anrecht haben, an große Investoren verkauft mitsamt den darauf lebenden Menschen.

Besser als Gold sei Ackerland als Investitionsobjekt, riet der Milliardär Warren Buffet Geldanlegern. Um den Faktor vier bis fünf sind die Preise für Ackerland in den letzten Jahren gestiegen. Grund ist der wachsende Bedarf an Agrargütern der Schwellenländer, aber auch der Biosprit-Boom

200 Millionen Hektar Agrarflächen wurde seit 2001 in Entwicklungsländern gekauft, schätzt die Entwicklungsorganisation Oxfam. Meist wurden sie zuvor von Kleinbauern genutzt. Bebaut werden diese Flächen weiterhin, aber die Güter fehlen auf dem lokalen Markt.

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