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wasser not10Seit vier Jahren hat es in Kalifornien kaum geregnet. Auf das trockenste Jahr 2013 folgte mit 2014 das heißeste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen und dieses Jahr der wärmste Frühling. Vor der Pazifikküste hat sich ein Warmwassergebiet festgesetzt, das die jährlichen Winterstürme aus dem Jetstream an den Bundesstaat vorbei nach Norden lenkt. Deshalb blieb der Schnee in den Berge fast vollständig aus. Das Schmelzwasser liefert sonst ein Drittel des Wasser. Die Region leidet unter der schlimmsten Dürre seit 1200 Jahren, wie Wissenschaftler berichten.

Mit der Trockenheit droht auch der kalifornische Traum zu verdorren, ein Traum, der auf Wasser gebaut isst: 39 Millionen Menschen leben in und von einer Wüste, der zusehends das Wasser ausgeht.

Erstmal in der Geschichte Kaliforniens wurden nun Regeln zum Wassersparen erlassen. Alle Menschen, alle Wirtschaftssektoren müssen sparen nur die Landwirtschaft nicht. Dabei verbraucht sie etwa 80 Prozent des Nutzwassers. Im Central Valley, wo es kaum regnet, wird etwa ein Viertel aller Lebensmittel der USA produziert. Salat, Tomaten, Spargel, Beeren, Nüsse, Milch, Weintrauben und der Großteil der weltweit konsumierten Mandeln.

Mit seinen hervorragenden Böden ist das Valley eine der landwirtschaftlich produktivsten Regionen der Welt. Millionen Hektar Ackerland werden durch ein komplexes Kanalsystem aus zahlreichen Stauseen bewässert, die durch Flüsse aus der Sierra Nevada gespeist werden. Diese gewaltigen Bewässerungsprojekte wurden im zwanzigsten Jahrhundert gebaut, das im Vergleich zu den vorangegangenen 1300 Jahren ungewöhnlich feucht war. Derzeit herrscht dürre. Am Grund eines Seitenarms des Shasta Lakes etwa, Kaliforniens größtem Speichersee, plätschert ein Rinnsal, kaum knietief. 30 Meter ragen die Uferwände zu beiden Seiten des breiten Tales auf. Das hier war mal ein beliebtes Wassersportgebiet.

Trotz riesiger Flächen blanken Bodens scheint es auf der Fahrt durch Central Valley, als gäbe es kein Wasserproblem. Überall entstehen neue wasserintensive Mandel-, Pistazien- und Walnuss- Plantagen, die hohe Gewinne in die Taschen von Investoren und Spekulanten spülen werden. Mandel sind gesund und beliebt. Hundert Gramm enthalten so viel Eiweiß wie drei Eier, ungesättigte Fettsäuren wie eineinhalb Avocados und Ballaststoffe wie drei Bananen.

Und trotzdem: Vier Liter Wasser braucht eine einzige Mandel zum Wachsen, weil die Plantagen anders als Spargel, Erdbeeren oder Tomaten eine ganzjährige Bewässerung erfordern und in Jahren der Dürre nicht brach liegen dürfen. Dabei geht es gar nicht so sehr um Mandeln. Vielleicht sind sie tatsächlich die ökonomische beste Option in einer Gegend, in der ein Hektar Ackerland 80.000 Dollar kostet. Es geht vielmehr um das kranke System einer Landwirtschaft, die natürliche Ressourcen wie Wasser und Boden ausbeutet als wären sie Minen: Statt Kupfer, Gold oder Erdöl wird historisches Wasser gehoben.

Sechzig Prozent des Wassers, das die 700 Kilometer lange und 100 Kilometer breite Agrarfabrik Central Valley am Laufen hält, kommt heute aus sogenannten Aquiferen, tief liegenden Schichten, in denen Grundwasser gespeichert ist. Das Wasser, das jetzt gehoben wird, ist häufig mehr las 10.000 Jahre alt und der Verbrauch doppelt so hoch wie die Menge, die durch Regen und Schmelzwasser wieder aufgefüllt wird. Erst im September 2014 wurde ein Gesetz erlassen, das es Kaliforniens Regierung erstmals erlaubt. Daten über die Entnahme von Grundwasser zu erheben. Bisher galten sie als Geschäftsgeheimnis.

Mehr als 700 Haushalte in East Porterville sitzen auf dem Trockenen. In der Umgebung gibt es viele neue Mandelplantagen mit Brunnen, die Hundert Meter in die Tiefe reichen und Hunderttausende von Dollar kosten. Da können die kleinen Privatbrunnen nicht mithalten. Wie viele Menschen betroffen sind, weiß niemand.


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